Felicitas P. Berg

1911 -1999

Retrospektive
Engelskirchen 25.09.2020 - 16.10.2020
Villa Engels
Die erste umfassende Retrospektive spannt den Bogen von Notizen und Zeichnungen ihrer Jugendzeit bis hin zu ihrem letzten Selbstportrait.
Kuratiert von Heike Bänsch, deufert&plischke, Manuele Klein, Kristin Kunze, Achim Lahr, Kiane l’Azin, Renate Seinsch, Detlev Weigand
Nicht nur in krisenhaften Zeiten brauchen Künstler*innen einen langen Atem und die Fähigkeit, immer neue Formen des Zusammenarbeitens und der künstlerischen Produktion zu entwickeln.
Das gilt beispielhaft auch für Leben und Arbeit der weitgehend vergessenen Engelskirchener Künstlerin Felicitas P. Berg, die als Autodidaktin unablässig mit Genres, Materialien und gesellschaftlichen Konventionen experimentierte. Die Auseinandersetzung mit ihrer Rolle als Frau in einer von Männern dominierten (Kunst-)Welt zieht sich dabei durch ihr Schaffen: Um ihre Geschlechteridentität zu verwischen, publizierte sie Texte zeitweise unter dem Namen P. Berg; privat lebte sie in Beziehungen mit Männern wie Frauen.
BERGS FACETTENREICHES WERK UMFASST GEDICHTE EBENSO WIE PERFORMANCE-KUNST, MALEREI UND ELEKTRONISCHE MUSIK.
Oft kombinierte sie verschiedene Medien und Materialien, vor allem Stoff inspirierte sie zu, wie sie es nannte, „weiblich-pragmatischer Verwendung“. Während ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen prekär blieben, befreite sie sich zunehmend von ihrer bürgerlichen Prägung und sozialen Normen.
Erstmals in Engelskirchen zu sehen und hören gibt es u.a Auftragsarbeiten aus den 60er Jahren, eine Live-Version der musikalischen Serie ‘Transformationen I-VIII‘ (1970/71), sowie die interaktive, mit ihrer Lebensgefährtin Gisela Vogelsänger entwickelte Klangcollage ‘Berührungen‘.
Die Retrospektive findet in jener Villa statt, in der die Familie Engels seit 1855 lebte. Obwohl Friedrich Engels jun. hier nur selten vorbeischaute, war das Haus bis zum Zerfall des Ostblocks ein beliebtes Ziel für Ausflüglerinnen und kommunistische Touristeninnen vor allem aus China oder der UdSSR. Heute sind dort die Büros des Bergischen Abfallwirtschaftsverbandes untergebracht.

Felicitas P. Berg (1911–1999) – geboren in Ostpreußen, gestorben in Engelskirchen – experimentierte zeitlebens mit unterschiedlichsten Medien und künstlerischen Arbeitsweisen. Dem trägt auch die Entstehung der Ausstellung selbst Rechnung, die von einer Gruppe Engelskirchener Künstler*innen mit dem Künstlerzwilling deufert&plischke kuratiert wird. Sie durchsuchen und erleben gemeinsam ihr fragiles Werk, um so der Arbeit der Künstlerin, Feministin, Archivarin und Mutter ihren Tribut zu zollen.
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